Operationsmethoden

Welche Operationsmethoden gibt es und wann sollte welche Methode angewendet werden?

Prinzipiell kann man die Wirbelsäule von vorne (ventral) oder von hinten (dorsal) operieren. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile sowie Indikation. Die heutigen Methoden sind sicherer und effektiver, sodass die Versteifungsstrecke viel kürzer gewählt werden kann als früher. Bei rechtzeitiger Operation, muss in der Regel nur die strukturelle Hauptkrümmung operiert werden. Die Nachbarkrümmungen können sich oft selbst begradigen. Die Beweglichkeit der Restwirbelsäule wird somit noch gut erhalten.

Wann, mit welcher Methode und wie viel operiert werden muss, ist eine ganz individuelle Entscheidung und erfordert sehr viel Erfahrung des behandelnden Facharztes. Das Vorgespräch ist daher sehr wichtig und wir nehmen uns viel Zeit dafür. Der folgende Überblick stellt die gängigsten Verfahren vor.

Ventrale Skoliose-Operation

Bei der Operation von ventral, also von vorne, wird entweder durch den Brustkorb oder den Bauch mit seitlichen Zugängen der vordere Anteil der Wirbelsäule erreicht. Diese Methode war bis vor einigen Jahren sehr populär, weil besonders kurzstreckig operiert werden konnte. Sie eignet sich jedoch nur für einbogige Krümmungen der Brust- oder Lendenwirbelsäule und hat den Nachteil, dass der Brustkorb geöffnet werden muss, wovon man sich einige Zeit erholen muss.

16 jähriger Junge mit primär thorakaler Krümmung

45 jährige Frau mit alter idiopathischer Skoliose

Dorsale Skoliose-Operation

Der Großteil der Skoliosen wird heute von hinten, also dorsal, operiert. Dank moderner Systeme sind ähnlich kurze Operationsstrecken möglich. Patientinnen und Patienten liegen während des Eingriffs auf dem Bauch und die Wirbelsäule wird durch einen mittigen geraden Schnitt freigelegt.

Anschließend werden Schrauben in den Wirbelköpern verankert, an denen die einzelnen Wirbel dann ausgerichtet werden können. Durch neue Techniken mit Schrauben, die auch eine  Drehung (Derotation) der einzelnen Wirbelkörper erlauben, können mittlerweile ähnlich gute Ergebnisse, wie mit der Skoliose-OP von vorn, erzielt werden. Desweitern können von hinten zusätzlich noch die Wirbelgelenke gelöst werden, um die Wirbelsäule flexibler zu machen. Der Rippenbuckel wird durch Osteotomien der Rippen korrigiert und Schmerzkatheter werden entsprechend eingelegt.

Thorakolumbale Krümmung Th 10 bis L3 von dorsal

Thorakale Krümmung Th 3 bis 12 von dorsal

Am Ende der Skoliose-Operation wird immer Knochen angelagert, damit die Wirbel zusammenwachsen. Man spricht von einer Spondylodese oder Fusion. Wenn diese ausbleibt, lockern sich die Schrauben auf Dauer wieder. Deswegen ist es wichtig, sich im Zuge der Rehabilition zu schonen, bis alles verheilt ist.

Es gibt auch Techniken bei denen die Knochen nicht zusammenwachsen sollen, weil die Patientin beziehungsweise der Patient noch wächst. Man spricht hier von sogenannten Non-Fusion Techniken. Dazu gehören wachstumslenkenden Verfahren wie  zum Beispiel Magec-Stäbe, VEPTR und anterior tethering.

Magec-Stäbe

Die Magnetstäbe (Magec Stäbe, engl. Magec rods) werden nur oben und unten an der Wirbelsäule fixiert und dann in die Länge gezogen - ähnlich, wie das früher mit den Harrington Stäben erfolgte. 2 bis 4mal im Jahr wird über einen Magneten der Stab um einige Millimeter verlängert, bis die erforderliche Größe erreicht ist. Anschließend wird er wieder entfernt und eine konventionelle Spondylodese und Korrektur durchgeführt.

Magec rods: Beispielverlauf mit Wachstumsstäben

Der Wachstumsstab dient also vor allem dazu, die Zeit bis zur endgültigen Skoliose-Operation zu überbrücken, wenn eine Korsettversorgung nicht ausreichend ist. Auch wenn der Knochen noch nicht fusioniert (versteift) wird, ist man damit nicht beweglicher. In dem Bereich, in dem der Stab angebracht ist, ist die Wirbelsäule komplett unbeweglich. Die OP-Strecke ist in der Regel länger als bei den modernen Fusionsverfahren und da immer die Gefahr der Stablockerung oder des Stab-Bruchs besteht, ist man sportlich sehr eingeschränkt. Manchmal kommt es sogar zu einer spontanen Fusion der Wirbelsegmente allein durch die Ruhigstellung. Daher wird diese OP-Methode nur empfohlen, wenn eine Korsettbehandlung nicht möglich und die Patientinnen und Patienten für die endgültige OP noch deutlich zu jung sind. Für viele sehr junge Patientinnen und Patienten sind die Magnetstäbe die einzige Möglichkeit.

VEPTR - Vertikal Expandierbare Titan-Rippenprothese

Beim VEPTR-Verfahren werden Vertikal Expandierbare Titan-Rippenprothese (englisch Vertical Expandable Prosthetic Titanium Ribs) als Wachstumsstäbe nicht an der Wirbelsäule, sondern an den Rippen angebracht. Ursprünglich wurde diese Methode für Fehlbildungen des Brustkorbes entwickelt. Mittlerweile wird es aber auch für Skoliosen, vor allem bei neuromuskulären Grunderkrankungen, verwendet. Diese Verfahren lässt sich ebenfalls mit Magnetstäben kombinieren, sodass bei Patientinnen und Patienten nicht mehrfach im Jahr, unter Narkose, entsprechend verlängert werden muss. Bei idiopathischen Skoliosen findet das VEPTR-Verfahren nur in Ausnahmefällen Anwendung.

VEPTR-Behandlung

Wachstumslenkung (Vertebral Body Tethering - VBT)

Bei der VBT Methode, auch auch Anterior tethering genannt wird, wird operativ von vorne-seitlich an der Wirbelsäule ein sehr festes Band angebracht. Es soll das Wachstum auf der Konvexseite gebremst werden, damit die kürzere konkave Seite nachwachsen kann. Die Korrektur erfolgt also nicht bei der Operation, sondern erst allmählich während des Wachstums.

Gedacht ist es für Patientinnen und Patienten mir sehr flexibler Krümmung, die jedoch schon so weit fortgeschritten ist, dass man davon ausgeht, dass eine Korsettbehandlung allein nicht zum Erfolgt führt. Da noch eine Restbeweglichkeit erhalten bleibt, wird es auch als "Begradigung ohne Versteifung" propagiert und zunehmend auch bei ausgewachsenen Patientinnen und Patienten eingesetzt. Für diese ist es aber eigentlich nicht vorgesehen.

VBT-Methode

Aktuell wird es empfohlen für Krümmungen zwischen 35 und 70 Grad, die sich spontan um 50 Prozent und mindestens unter 30 Grad korrigieren lassen. Der optimale Zeitpunkt ist zu Beginn der Pubertät, wenn noch genügend Wachstumspotential vorhanden ist. Um dies zu bestimmen, sollte die Hand geröntgt werden. Setzt man das System zu spät ein und korrigiert vornehmlich nur über die Seile, dann ist die Gefahr groß, dass diese reißen. Setzt man das System zu früh ein, besteht die Gefahr der Überkorrektur, weil das Restwachstum schwer vorhersehbar ist.

Wie lange das funktioniert, ob die Wirbelsäule dann irgendwann doch versteift oder das Band ausreißt und wie es dann weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt, weil es keine Studien gibt, die die Patienten länger als fünf Jahre beobachtet haben. Für einige Patienten, die kurz vor Beginn oder am Anfang der Pubertät schon eine starke Krümmung haben, könnte dieses System durchaus auch dauerhaft von Vorteil sein. Es sollte jedoch nicht grundsätzlich als Ersatz für eine Korsettbehandlung gesehen werden.

Die Operation

Was genau passiert bei der Skoliose-Operation?

Da ein Großteil der Operationen von dorsal, also hinten, durchgeführt werden, gehen wir hier besonders darauf ein.

Nachdem Patientinnen und Patienten in Narkose versetzt wurden, werden sie auf dem Bauch gedreht und sehr gut gepolstert, um Druckstellen zu verhindern. Das Neuromonitoring wird angeschlossen, damit während der gesamten Skoliose-OP beobachtet werden kann, ob das Rückenmark weiterhin funktioniert. Anschließend wird die Wirbelsäule in dem Bereich, in dem sie begradigt werden soll, freigelegt. Zunächst werden die Gelenke und Bänder entfernt, damit die Wirbelsäule beweglicher wird. Anschießend werden Verankerungspunkte an den einzelnen Wirbeln gesetzt.

Meistens werden dazu Schrauben in die Wirbel (Pedikel) gedreht. Falls diese Wirbel zu klein für Schrauben sind, können auch Haken oder Bänder am Wirbelbogen angebracht werden. Anschließend werden zwei Stäbe aus Titan oder Cobaltchrom-Stahl in die Form gebogen, die die Wirbelsäule nach der Operation haben soll. Man muss eine genaue Vorstellung davon haben, wie viel Korrektur möglich ist und wie die Wirbelsäule am Ende der Operation aussehen soll, um die Stäbe richtig zu biegen. Anschließend werden die Wirbel mit den Schrauben an den Stäben ausgerichtet. Dafür gibt es eine Reihe verschiedener Techniken, die sich ständig weiterentwickeln. Auch haben die Schrauben einige High-Tech Funktionen, die verschiedene Korrektur-Manöver erlauben.

Nach der Korrektur wird nochmals die Nervenfunktion überprüft und die Lage der Schrauben sowie die Korrektur selbst mittels Röntgenbildern noch im OP-Saal kontrolliert. Zum Schluss wird Knochen angelagert, damit die Wirbel zusammenwachsen können.  Ist der Rippenbuckel sehr groß, kann es sein, dass die Rippen durchtrennt werden, um ihn zusätzlich zu korrigieren.

Vor dem Wundverschluss werden noch ein bis zwei Schmerzkatheter im Wirbelkanal platziert, über die die nächsten Tage Schmerzmittel direkt ans Rückenmark appliziert werden. Am Ende wird ein Verband aufgelegt und die Patientinnen und Patienten werden behutsam ins Bett gelegt. Sobald die Personen aufwachen, wird nochmals kontrolliert, ob auch alles gut bewegt werden kann. Ist das der Fall, werden sie auf unsere Intensivstation gebracht, wo die Eltern, in der Regel, bereits warten.

Was passiert nach der Operation?

Eine Skoliose-OP ist ein großer Eingriff. Der Schlüssel für die Zeit nach der OP ist Ruhe.

Erste Schritte nach der OP
So erreichen Sie uns

Kontakt