Die Behandlung mit dem Skoliose-Korsett

Informationen zur konservationen Therapie mit dem Skoliose-Korsett zur Behandlung unterschiedlicher Skolioseformen.

Wann kommt ein Korsett in Frage?

Ein Skoliose-Korsett gehört zur Familie der Orthesen. Es soll das Wachstum der Wirbelsäule lenken, weshalb es vor allem während der Wachstumsphase eingesetzt wird. Ziel der Korsettbehandlung ist, dass die Krümmung zum Ende des Wachstums in einem Bereich ist, mit der man ohne Probleme auf Dauer leben kann. Das hängt auch von der Lage und Form der Krümmung ab.

Als Faustregel kann man annehmen, dass sie in der Brustwirbelsäule nicht mehr als 50° und in der Lendenwirbelsäule nicht mehr als 40° betragen sollte. In der Regel kann mit dem Korsett erreicht werden, dass sich die Krümmung nicht verschlechtert und in vielen Fällen sind auf Dauer auch Korrekturen von 5-10° möglich.

Ein Korsett bei einer idiopathischen Skoliose ist sinnvoll, wenn:

  • noch mindestens 1 Jahr Wachstum zu erwarten ist und von einer Verschlechterung der Krümmung ausgegangen werden muss.
  • die Krümmung noch flexibel ist und im Korsett eine Korrektur von 50% erreicht werden kann.
  • nicht mehr als eine Krümmung von 40-45° (nach Cobb) zu Beginn der Behandlung vorliegt.
  • das Korsett die entsprechende Krümmung erreichen kann. Krümmungen oberhalb des 8. Brustwirbels sind sehr schwierig.
  • durch das Korsett keine neuen Probleme (Schulterhochstand, hochthorakale Krümmung, Flachrücken) verursacht werden.
  • man das Korsett auch wirklich konsequent 18h am Tag trägt.

Das Skoliose-Korsett kann eine OP verhindern

Mithilfe des Skoliose-Korsetts lässt sich eine Operation in vielen Fällen verhindern. Das gelingt nur, wenn das Korsett von Anfang an passgenau ist, eine gute Korrektur ermöglicht und regelmäßig getragen wird. Um das zu gewährleisten, ist eine regelmäßige Kontrolle bei einem erfahrenen Orthopädietechniker und Orthopäden notwendig. Ein Korsett mit einer maximalen Korrektur, das so schmerzt, dass es nicht getragen wird, ist genauso wirkungslos, wie eines das unzureichend korrigiert. Wissenschaftliche Studien belegen einen Zusammenhang zwischen dem Behandlungserfolg, der Tragedauer und der Erstkorrektur im Korsett.

Welche Skoliose-Korsette gibt es?

Jede Skoliose ist anders und so auch die Korsett-Arten. Die Anzahl der Kurven beziehungsweise Bögen der Wirbelsäule geben den Ausschlag, welche Art von Korsett in Frage kommt.

Unterschiedliche Korsetttypen

Es gibt ganz unterschiedliche Korsetttypen. In Europa hat sich das Korsett nach Chêneau durchgesetzt. Dr. Jacques Chêneau hat es in den 1970iger Jahren in Frankreich entwickelt und es erfuhr seitdem einige Modifikationen. Am Grundprinzip hat sich jedoch nichts geändert.

In Amerika werden aber zum Beispiel ganz andere Formen verwendet, die bei uns als veraltet gelten (Boston oder Milwaukee brace). Zudem gibt es noch Korsette, die nur nachts getragen werden müssen, aber eine deutliche Überkorrektur der Krümmung anstreben. Sie sind jedoch eher die Ausnahme. Im Folgenden soll daher auf das Wirkprinzip der dreidimensionalen Korrektur des sogenannten Derotationskorsettes nach Chêneau eingegangen werden.

Die Form des Korsetts hängt von der Lage der Krümmung ab. Korsettbauer verwenden manchmal eine alte Beschreibung, die auf Katharina Schroth zurückgeht und auch die Ausgleichskrümmungen als Bogen beschreibt. Das kann zu Verwirrungen führen, wenn eine eigentlich doppelbogige Krümmung als 4-bogig bezeichnet wird. Letztendlich ist es für den Korsettbauer aber wichtig, wo er seine Druckpunkte anbringen muss, daher hat sich diese Beschreibung dort gehalten, obwohl sie, medizinisch gesehen, nicht ganz korrekt ist:

Orthopädietechniker           Mediziner
Typ kurz lumbalEinbogige Lumbalskoliose
Typ 3-bogigEinbogige thorakale oder thorakolumbale Krümmung
Typ 4-bogigDoppelbogige thorakale und lumbale Krümmung

 

Anfertigung eines Skoliose-Korsetts

Die Anfertigung des Skoliose-Korsetts folgt diesen Schritten:

  1. Verordnung durch den behandelnden Arzt, nachdem eine Wirbelsäulenganzaufnahme angefertigt wurde.
  2. Vermessung und Scan der zu behandelnden Person. Ein Gipsabdruck ist in der Regel nicht mehr nötig. Fotos werden für den vorher-nachher Vergleich aufgenommen.
  3. Anfertigung des Modells mithilfe eines speziellen Programms (CAD-System), das dem Krümmungsmuster entspricht.
  4. Anprobe und eventuelle sofortige Auslieferung des Korsetts.
  5. Erklärung und Einweisung der Patientinnen und Patienten in den richtigen Umgang mit dem Hilfsmittel.
  6. Eingewöhnungsphase
  7. Kontrolle durch den Orthopädietechniker und Orthopäden sowie Röntgenaufnahmen beim Tragen des Korsetts zur Überprüfung der Effektivität.
  8. Nur wenn es eine ausreichende Korrektur erzielt und es auch getragen werden kann, wird es ausgeliefert. Ansonsten wird es so lange nachkorrigiert, bis das gewünschte Ergebnis erreicht wird.
  9. Regelmäßige Kontrollen beim behandelnden Arzt und Orthopädietechniker auf Passgenauigkeit und Progredienz der Krümmung, also die „Verbesserung“ der Krümmung.
Illustration der drei verschiedenen Skoliose-Korsett Typen
Illustration der drei verschiedenen Skoliose-Korsett Typen
Prof. Dr. Geiger und Dr. Chênau
Filmausschnit von Amys Patientengeschichte

Patientengeschichten zum Thema Skoliose

Amy und Vicky haben beide Skoliose. Über die Skoliose-Erkrankung lernten sich beide kennen und teilen ihre Geschichte. Hier geht es zum Video ihrer Skoliose-Patientengeschichte.

 

Amy, 16 Jahre – hat Skoliose seit 4 Jahren und wurde 2018 operiert:

"Klar, einmal Skoliose, immer Skoliose. Aber nach der OP rückt sie wieder in den Hintergrund – sie wird zur Nebensache."

 

Zu den Patientengeschichten

Wie funktioniert die Therapie mit dem Chêneau Korsett?

Nach einem Dreiflächensystem werden Druck und Entlastung so verteilt, dass eine permanente Korrektur erfolgt. Bei jedem Atemzug und jeder Bewegung entsteht ein Druck auf die Krümmung, der sowohl eine Aufrichtung als auch eine Derotation der Wirbelsäule bewirkt. Das Skoliose-Korsett ist also nicht statisch haltend, sondern arbeitet dynamisch, als ob man ganztägige Krankengymnastik machen würde. Unter der Kleidung getragen, fällt das Korsett kaum auf. Patientinnen und Patienten sollten es 18-20 Stunden am Tag tragen. Wenn man es nachts, in der Schule und zu den Hausaufgaben trägt, kann man es nachmittags zum Beispiel beim Sport oder im Schwimmbad auch ruhig ausziehen.

Erhält eine Patientin oder ein Patient ein Korsett erklären unsere Orthopädietechniker und Ärzte, wie mit dem Hilfsmittel  richtig umgegangen wird. Es ist wichtig, die Wirbelsäule beweglich zu machen, damit der Korrekturdruck des Skoliose-Korsetts schmerzfrei entfaltet wird. Daher braucht es oft einige Zeit, bis man sich an das Korsett gewöhnt hat. Erklärt wird, zum Beispiel warum das Hineinatmen in die Freiräume des Korsetts wichtig ist. Gemeinsam werden die Bewegungsmöglichkeiten im Korsett erklärt und gezielt ausgenutzt. Zur Übung der richtigen Handhabung des Skoliose-Korsetts kann Physiotherapie sehr hilfreich sein.

Planung des Korsetts am Computer:

doppelbogige Krümmung
einbogige Krümmung

Häufig gestellt Fragen zum Skoliose-Korsett

Was kann man tun, wenn das Korsett zu eng ist?

Alle 3 Monate wird das Korsett überprüft. Schrittweise kann der Druck an den Korrekturpelotten mit Polstern erhöht werden, sodass sich die Wirbelsäule immer weiter aufrichtet. Zudem überwacht man Gewicht und Wachstum , um rechtzeitig zu reagieren, wenn das Korsett zu klein wird und aufgrund des Wachstums nicht mehr an der richtigen Stelle korrigiert. Wenn es zu klein wird, muss ein neues Korsett gebaut werden, solange bis die betroffene Person ausgewachsen ist.

Welche Eigenarten hat ein Skoliose-Korsett und vor welchen Herausforderungen steht man?

Ein Skoliose-Korsett besteht größtenteils aus Kunststoff (PE) und legt sich um den Rumpf. In bestimmten Bereichen wird deutlich Druck auf den Körper ausgeübt, um die Wirbelsäule zu korrigieren. Diese Korrekturkräfte sind zunächst unangenehm, der Körper gewöhnt sich aber mit der Zeit daran. Andere Bereiche bieten deutlich erkennbare Freiräume, in die „hineingeatmet“ wird und in die sich der Körper Schritt für Schritt hineinbewegt. Grundsätzlich ist ein Skoliose-Korsett nicht symmetrisch gearbeitet, sondern spiegelt die Skoliose – ist also genau anders herum krumm, als im Vergleich zur Wirbelsäule selbst. Das Becken muss gefasst werden, um zu verhindern, dass das Korsett rutscht oder sich am Körper dreht.

Das Korsett ist gerade am Anfang ein spürbarer Fremdkörper. Da es jedoch für eine konservative Therapie der Skoliose essentiell ist, ist Disziplin wichtig. Die physische und psychische Eingewöhnung sind dabei normal und notwendig, um sich mit dem neuen Körpergefühl vertraut zu machen. Die Akzeptanz im sozialen Umfeld, wie Schule, Freizeit und Familie, sind dabei ebenso wichtig, wie notwendig.Viele Schülerinnen und Schüler haben Angst, wegen des Skoliose-Korsetts gehänselt zu werden. Es empfiehlt sich, das Korsett nicht zu verstecken, sondern offensiv damit umzugehen. Wenn die Mitschüler merken, dass es einem nicht peinlich ist, wird es auch uninteressant und Hänselein hören auf. Je mehr sie davon wissen und wieso man es hat, desto besser.

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