Abgestimmte Abläufe bestimmen die Qualität im OP
Volle Konzentration auf das Herzstück

Herzstück jeden Krankenhauses ist der Operations-, kurz OP, -Bereich. Hier müssen Arbeitsschritte, Hygiene, Sicherheit, Qualität, Material und die Teams perfekt ineinandergreifen. In der Orthopädischen Fachklinik der Hessing Stiftung werden jährlich 7.500 Menschen auf höchstem Niveau individuell versorgt.

Zur Hessing Stiftung gehört die seit über 150 Jahren bestehende Orthopädische Fachklinik. Heute ist sie eines der europaweit führenden Krankenhäuser in ihrem Fachbereich. Im Juli 2020 wurde der bestehende OP-Komplex um einen weiteren hochmodernen Operationssaal ergänzt. So zählen nun sieben OP-Säle zur Ausstattung der Fachklinik, die pro Jahr mehr als 6.500 Patienten operativ versorgen. Konservativ, also ohne chirurgischen Eingriff, betreut die Fachklink weitere 1.000 Patienten im Jahr.

Patienten der Orthopädischen Fachklinik kennen den administrativen Prozess: Alles beginnt mit der Feststellung der Notwendigkeit einer Operation und der daraufhin folgenden Anmeldung bei der OP-Terminvergabe. Gibt es Begleiterkrankungen, wird dies bereits mit dieser OP-Anmeldung in der Sprechstunde erfasst. Je nach Beurteilung fordert der zuständige Anästhesist benötigte Befunde bei anderen Fachärzten an, um den Einfluss auf die OP abschätzen zu können. Nach der OP-Anmeldung können die Patienten zunächst wieder nach Hause gehen. Sie kommen am vereinbarten OP-Tag zurück, um den Eingriff vornehmen zu lassen.

In den Hessing Kliniken beginnen zwischenzeitlich die Vorbereitungen auf die Operation. Neben der internen Anmeldung mit Datenerfassung für die spätere Abrechnung gilt es auch, das benötigte Material zu erfassen. Das eigene OP-Lager-Team prüft daher die Bestände und falls etwas nicht auf Lager ist, erhält der zentrale Einkauf den Auftrag, es zu bestellen. Selbstverständlich wird alles transparent erfasst. Spätestens 48 Stunden vor dem geplanten Eingriff ist alles im Haus.

Am Vortag der OP geht der Chefarzt des betreffenden Fachgebietes oder dessen leitender Oberarzt noch einmal den OP-Plan durch. Änderungen müssen bis 14.00 Uhr angemeldet werden. Ab diesem Zeitpunkt gilt der Ablauf als verbindlich. Der Zeitplan ist dann für alle Fachleute im OP-Bereich über Monitore einsehbar. Jetzt könnten nur noch eine Erkrankung des Patienten oder ein Notfall den Ablauf ändern. Diese Verbindlichkeit ist nicht nur für das Team wichtig, sondern auch für den Patienten. Ein bevorstehender Eingriff ist immer auch emotional, weshalb unerwartet lange Wartezeiten, verständlicherweise, die Anspannung erhöhen würden.

Der Ankerpunkt für alle Abläufe in den verschiedenen OPs ist die OP-Koordination. Dort fließen sämtliche Informationen zusammen, die einen reibungslosen Ablauf gewährleisten: von der Belegung der Säle bis zu der Information darüber, welches Material benötigt wird. Die OP-Koordination ist außerdem eine wichtige Schnittstelle zur Zentralsterilisation, von wo die sterilen Operationsbestecke geliefert werden.

Große Eingriffe, wie zum Beispiel eine Wirbelsäulen-Operation, werden am Vortag vom Anästhesiepflegeteam vorbereitet. Ansonsten stellt der Spätdienst im OP das benötigte Material für die ersten zwei OPs des nächsten Tages zusammen. Ein Operationsteam besteht in der Regel aus folgenden Berufsgruppen: Ein bis drei Ärzte - je nachdem ob der Eingriff in die Aus- und Weiterbildung integriert wird -, ein Anästhesist, eine instrumentierende OP-Pflegekraft, eine Anästhesie-Pflegekraft und ein sogenannter Springer.

Zur Vorbereitung gehört auch, dass OP-Leuchten, Monitore, Tischbestückung, Lagerungshilfen und Geräte bereitstehen, sowie PCs geprüft und hochgefahren sind. Der Anästhesie-Funktionsdienst prüft die Geräte und führt den Sicherheitscheck durch. Präzision und Sicherheit sind oberstes Gebot, auch schon lange bevor die Operation überhaupt beginnt. Die Digitalisierung ist hier ein wichtiger Schlüssel, da sie die transparente Erfassung ermöglicht. Medikamente, Implantate und andere Materialien werden digital per Scan erfasst. So wird unter anderem der Materialverbrauch dem zentralen Einkauf gemeldet und Nachbestellungen können veranlasst werden.

Am OP-Tag ist das Team ab sieben Uhr vor Ort. Acht Uhr ist für alle OP-Säle der Hessing Kliniken der Startzeitpunkt für die erste OP des jeweiligen Tages. Während sich das OP-Team bereit macht, werden die betreffenden Patienten auf Station vom Pflege-Team vorbereitet. Es werden Medikamente verabreicht, abschließende Vorbereitungen getroffen und schließlich der Patient zum OP transportiert. Hier angekommen wird der Patient „eingeschleust“. Der OP-Schleuser gleicht ab, ob es sich wirklich um den zu operierenden Patienten und um den geplanten Eingriff handelt. Die Anästhesie-Pflege prüft und erfasst nochmals die Vitalwerte. Danach bekommt der Patient seine Narkose und wird in den OP-Saal gefahren.

In der Orthopädie variieren OPs erheblich, sowohl was den Umfang als auch was die Dauer betrifft. In der OP-Planung werden in der Regel die umfangreicheren Eingriffe als erstes eingeplant. Falls ein solcher Eingriff länger als geplant dauert, soll der restliche Plan nicht zu stark durcheinanderkommen. Sollte dies doch der Fall sein, lassen sich etwa kleinere Eingriffe in einen anderen Saal verschieben. Wirbelsäulenoperationen und Implantationen von Endoprothesen dauern von allen Eingriffsarten am längsten. Während einer Operation, egal wie groß oder klein, arbeitet das Team Hand in Hand – jeder weiß, was zu tun ist. Bereits während einer laufenden OP wird mit der Anästhesie bereits der nachfolgende Patient vorbereitet.

Ist der Eingriff abgeschlossen, leitet das Anästhesie-Team die Narkose aus und begleitet den Patienten beim Aufwachen. Jetzt werden die Werte und die Reaktionsfähigkeit geprüft und wenn alles passt, kann der Patienten aus dem OP-Bereich in den Aufwachraum verlegt werden. Dort wartet das Anästhesie-Pflegeteam und betreut jeden Einzelnen aufmerksam, bis sie wieder auf die Station gebracht werden können. Bei umfangreichen Operationen kann es sein, dass die eben operierten Patienten noch einige Tage unter konstanter Überwachung, auf der sogenannten Intermediate Care Station, bleiben müssen.

Wieder auf der regulären Station angekommen, beginnt für den Patienten schon die Zeit der Rehabilitation. Das Team im OP-Bereich kümmert sich dann bereits um den nächsten Patienten.



THILO BAUSBACK
LEITUNG HESSING ORTHOPÄDISCHE FACHKLINIK UND HESSING KLINIK FÜR ORTHOPÄDISCHE REHABILITATION