So schnell gebe ich nicht klein bei

Wie eine Ellenbogen-Endoprothese Teil eines bewegten Lebens wurde

Margreth Kühnle ist eine Kämpferin, die sich schon immer durchsetzen musste. Grundoptimistisch und mit Vertrauen in sich und ihre Umwelt geht sie durchs Leben.

1948 geboren, ist sie als Tochter eines Bauern auf der Schwäbischen Alb groß geworden und sollte als Jüngste den Hof weiterführen. Doch der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die hochproblematische Familiensituation – der Vater alt und krank, eine überforderte Mutter, beide Brüder früh verstorben und zwei ältere Schwestern physisch und psychisch angeschlagen , dazu die soziale Kontrolle einer geschlossenen Dorfgemeinschaft - boten keinerlei Optionen für die Zukunft. Früh wurde Margreth Kühnle klar, dass, wenn sie nicht mit untergehen will, sie sich aus dieser Situation befreien muss. Eine Entscheidung, unter schweren Skrupeln getroffen, die sie zwar nie bereut, aber dennoch immer wieder beschäftigt. Wie ihre ältere, künstlerisch begabte, aber hochdepressive Schwester, die sich mit 32 Jahren das Leben nahm, litt Margreth Kühnle unter den dörflichen und familiären Zwängen, die individuelle Interessen und Lebensentwürfe nicht dulden konnten.

Patientengeschichte einer Ellenbogenprothese

Margreth Kühnle ist niemand, der sich leicht beeindrucken lässt und deshalb bestehende Strukturen auch gerne hinterfragt. In den letzten Jahren ihres Berufslebens wurde diese enorme Energie, Lebenskraft und Bewegung jedoch stark herausgefordert. 

Ein bewegtes Leben wird herausgefordert

Ein bewegtes Leben, das dank gewisser Zufälle zu einem erfolgreichen und erfüllten als Lehrerin führte. „Meine Englischlehrerin gab mir damals den entscheidenden Impuls. Als ich auf die Frage, was ich denn machen wolle, keine Antwort wusste, sagte sie einfach aus dem Bauch heraus, ich sei die geborene Lehrerin“, so Margreth Kühnle. Der Direktor der Berufsaufbauschule wies ihr den Weg zur Eignungsprüfung für das pädagogische Studium. Anfang der siebziger Jahre eröffnete der sog. „Zweite Bildungsweg“ begabten jungen Menschen die Chance, auch ohne gymnasiale Bildung und Abitur eine Hochschulzulassung zu erlangen. Doch der Weg war steinig.

Sechzig Prozent bestanden diese extrem schwierige Prüfung nicht. Margreth Kühnle jedoch schaffte es. In ihrem Wahlfach Kunstgeschichte mit dem Fokus auf die Geschichte und die Künstler des „Bauhauses“ hätte der Professor sie am liebsten direkt im Studienfach Kunst behalten, doch Zeichnen war nicht die Stärke von Margreth Kühnle. Das Schreiben aber schon.

Über verschiedene Stationen als Lehrerin stand sie in politisch bewegten Zeiten mit ihren Schülerinnen und Schülern mitten im gesellschaftlichen Geschehen. Eine der Schulen, in denen sie u.a. Geschichte und Politik unterrichtete, hatte ihren Standort in Mutlangen genau zwischen dem damaligen US-Raketenstützpunkt und dem sogenannten Friedensdorf, in dem u.a. auch Heinrich Böll für Frieden und Abrüstung demonstrierte. Unabhängig davon, auf wessen Seite man in jenem politischen Konflikt stand,  war dieses Beispiel von demokratischem Engagement ungemein lehrreich. Auch deshalb sah Margreth Kühnle ihre Aufgabe stets darin, ihre Schüler und Schülerinnen zu mündigen Bürgern zu erziehen.

Im Oktober 2017 erfolgte die erste Knie-OP an den Hessing Kliniken. Wegen fortschreitender Arthrose wurde ihr im linken Knie eine Endoprothese eingesetzt. „Es heilte alles bestens und ich fühlte mich gut“, erzählt Margreth Kühnle. „Mein Ellenbogen wurde damals aber schon wieder auffällig. In der Reha fragte ich deshalb den dortigen Chefarzt nach seiner Meinung zu einer möglichen Ellenbogen Endoprothese. Er riet mir dringend davon ab. Das werde selten gut.“

Nach der Reha, kurz vor Weihnachten 2017, war die nächste reguläre Dosis des Rituximab nach gegebener Leitlinie fällig. Kurz darauf folgte der bis heute nicht zu erklärende Absturz. „Meine Blutwerte rauschten in den Keller und ich fragte den Rheumatologen – was zugegebenermaßen etwas makaber war –, ob ich jetzt mit dem Schlimmsten rechnen müsse“, beschreibt sie das Erlebnis. „Mein Rheumatologe war hoch besorgt und setzte die bisherige Medikation aufgrund dieser außergewöhnlichen Symptomatik komplett ab. Für meinen Ellenbogen hatte dies fatale Folgen.“

„Eigentlich bin ich Rechtshänderin, wegen der starken Schmerzen in meinem Ellenbogen konnte ich aber nur noch den linken Arm benutzen. Heute lässt mich meine linke Schulter wissen, dass das zu viel war“, erinnert sich Margreth Kühnle. „Ich konnte noch nicht einmal einen Löffel halten, geschweige denn ein Messer benutzen. Selbst im Ruhezustand war der Schmerz qualvoll.“

Rheuma verursacht starke Schmerzen im Ellenbogen

2009/2010 kam einiges zusammen. „Beruflich stand ich extrem unter Strom, denn ich sollte an meiner Schule die plötzlich vakante Schulleiter-Stelle übernehmen, und das ohne Vorbereitung. Dazu kam noch persönlicher Stress, der mir zusetzte. Ich hatte ein Häuschen gekauft und den damaligen Mietern auf ihre Bitte hin ermöglicht, dort noch eine Weile wohnen zu bleiben – letztlich waren es drei Jahre -  bevor ich es sanieren ließe und selbst einziehen würde“, beschreibt Margreth Kühnle die Ausgangssituation. „Als es so weit war, wollten die Mieter nicht ausziehen. Der mögliche Klageweg würde lang und schwierig sein, das wusste ich,  und die Sorge, auf all meinen Problemen sitzen zu bleiben, wurde übermächtig“.

Von einem Tag auf den anderen entzündete sich der rechte Ellenbogen im Januar 2010 und der Leidensweg von Margreth Kühnle begann.

Zunächst mittels Stoßwellentherapie behandelt, wurden die Beschwerden zwar kurzzeitig besser, aber Margreth Kühnle spürte, dass da mehr sein müsse. Die Entzündung befiel weitere Gelenke. Eine umfangreiche Blutanalyse machte deutlich, dass die behandelnde Ärztin gewisse Anzeichen zu wenig beachtet hatte. Der umgehend eingeschaltete Rheumatologe war ob der langen Vorgeschichte sehr erstaunt und konnte kaum nachvollziehen, wie ärztliche Kollegen eindeutigen Hinweisen auf eine Erkrankung an rheumatoider Arthritis so wenig Bedeutung zumessen.

Im nun beginnenden Behandlungsprozess musste auf die vererbte Belastung  einer Osteoporose Rücksicht genommen werden. „Dennoch hat sich mein Zustand und damit meine Lebensqualität wieder gebessert, “ sagt Margreth Kühnle. „Als ich dann Mitte 2013 mit 65 in Pension ging, war soweit das meiste im Lot, und ich fühlte mich in der rheumatologischen Praxis gut versorgt.“ Ab 2015 wurde das neue Biologicum Rituximab zur Behandlung eingesetzt, später das Biologicum Mabthera/Truxima.

Patientengeschichte einer Ellenbogenprothese

Ellenbogenprothese bringt Lebensqualität zurück

Trotz ihrer Ängste rund um eine Ellenbogen-OP ging die Ulmerin wieder zu Dr. med. Jan Tomas, Chefarzt des Hessing Zentrums für Endoprothetik, Fußchirurgie und Rheumaorthopädie in Augsburg. „Dr. Tomas hat mir wieder Mut gemacht. Er sagte ganz klar, dass wir  das hinkriegen“, sagt Margreth Kühnle mit einem Lächeln. Er sollte Recht behalten: „Seit der OP bin ich komplett schmerzfrei. Während meiner anschließenden 4-wöchigen Reha war ich der Ellenbogen-Star in der Klinik.  Das dortige Ärzte- und Physiotherapie-Team hat sogar ein extra Konzil zu meinem Ellenbogen abgehalten,“ sagt Margreth Kühnle durchaus stolz. „Ich hätte meinen neuen Arm ja gerne persönlich vorgeführt. Doch es genügte das Röntgenbild ….“

„Ein leichtes Streckdefizit in meinem Arm ist geblieben, und ich soll nicht mehr als 5 kg rechts tragen“, erklärt Margreth Kühnle. „Doch manchmal vergesse ich‘s fast ….“ sagt sie lachend. Für all die Hilfen, die sie von ihren Ärzten erfahren hat, ist Margreth Kühnle  sehr dankbar.

Heute ist die Anfang 70-jährige weiterhin sehr aktiv. Sie engagiert sich unter anderem als Deutschlehrerin in der Flüchtlingshilfe und betreut zudem zwei Flüchtlingsfamilien. 

 

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Zertifiziertes Zentrum

2013 als erstes Krankenhaus in Augsburg nach einem aufwändigen Verfahren zum Endoprothetikzentrum zertifiziert, wird hier nach höchsten Standards und Qualitätsvorgaben gearbeitet. Hat doch die Einrichtung von Endoprothetikzentren das Ziel, die Behandlungsqualität noch weiter zu verbessern und alljährlich zu überprüfen. Ausschließlich in zertifizierten Einrichtungen muss bei jeder Gelenkersatzoperation ein speziell ausgebildeter, orthopädischer Hauptoperateur anwesend sein, der über eine umfassende, jahrelange Erfahrung verfügt. Alle Abläufe und Arbeitsschritte werden penibel dokumentiert und optimiert, alle OP-Ergebnisse an das bundesweite Endoprothesenregister weitergegeben. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik und der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie überprüfen die Qualität und vergeben die Zertifikate.

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